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Dienstag, 4. Juni 2013

Le Miroir

Antoine Tinguely & Laurent Fauchère | 6:20 min | Spielfilm


Ein Lebenslauf im Spiegel eines... Spiegels.

Ein Blick in den Spiegel kann eine ziemliche Ernüchterung sein, , aber man entdeckt dort vielleicht auch den ersten eigenen Pickel oder blickt hinein vor dem Ausgehen zum ersten Date.

Der POV Shot in den Spiegel war schon immer ein beliebtes Stilmittel. Er treibt die POV-Einstellung - also den Blick aus den Augen des Protagonisten - gewissermaßen auf die Spitze. Die beiden Schweizer Antoine Tinguely & Laurent Fauchère nutzen dies - angereichert mit liebevollen Details, um das Vorüberziehen eines Lebens zu zeigen. Wenn dies auf den ersten Blick doch recht düster erscheint - die Liebe zebricht, die Tattoo schrumpeln - so hebt dies doch ein Achselzucken des Protagonisten als altem Mann am Ende auf: That's life!

"Le Miroir" ist einer der Nominierten bei den Webcuts 2013 in der Kategorie "Best collaborative projects". Die Awards sind Teil der Webinale in Berlin und werden seit 2001 an nicht-kommerzielle Internet-Filme (was immer das auch genau sein soll) vergeben.

Mittwoch, 22. Mai 2013

Tohu Wa Bohu - Ein Mädchen im Chaos

Michael Geithner | 14:56 min | Spielfilm

Flaschensammlerin trifft Flaschengeist.

Rikes Pläne sich mit Flaschensammeln von ihren Schulden zu befreien scheinen alles andere als durchdacht. Das sie sich von den schönen Flaschen nicht trennen will macht die Sache - neben dem Treffen mit einem Flaschengeist - nicht gerade einfacher.

Hier mal wieder ein klassischer Kurzspielfilm. Das die Geschichte dabei nicht gerade neu ist macht nichts weiter - der Film von Michael Geithner weiß das und kümmert sich nicht groß drum. Stattdessen lebt der Film von einzelnen Szenen und den Schauspielern. Das dabei nicht unbedingt jede Pointe sitzt kann man verzeihen, Handwerklich ist "Tohu Wa Bihu" sehr rund (schön auch die Party-Flaschen-Musik) und unterhaltsam wenn es vielleicht auch ein bisschen an der Gesamtdramaturgie hakt - aber gerade das ist es vielleicht was den Film charmant macht..


Mittwoch, 13. Juni 2012

Joy of Destruction

Laura Junger & Xaver Xylophon | 1:41 min | Animation



Crash! Boom! Bang!

Einstürzende Neubauten, zerplatzte Blasen, zerrissene Teddybären - in "Joy Of Destruction" geht einfach mal alles vor die Hunde... - und das macht auch noch Spaß!

Die Faszination mit Zerstörung scheint dem Menschen innezuwohnen. Von dem Moment an, wo wir das erste Mal den Turm aus Holzklötzchen umstoßen begleitet sie uns. Und manche Regisseure machen seit Jahren Filme deren einzige Grundlage für ihre Filme die Idee der Materialschlacht zu sein scheint.

Laura und Xaver schaffen in ihrem Kurzfilm ein liebevoll animiertes Kompendium der Zerstörung. Das geht nun eben von der individuellen Freude an dem kurzen Moment der Entropiesteigerung, über die Macht Vernichtung hin zur Faszination an dem Bösen, wie etwa einer Figur wie Mackie Messer.

Montag, 4. Juni 2012

Hammerfilm

David Madry | 7:06 min | Spielfilm



Ein Raum, zwei Männer und ein Hammer.

Ein Mann wacht in einem düsteren Raum auf. Es scheint zunächst keinen Ausweg zu geben, doch die Ankunft eines Zweiten offenbart neue Möglichkeiten.

Als Dominik Graf zum Anlass des deutschen Filmpreises über das vorhersehbare Qualitätskino schrieb, beschwerte er sich, dass deutsche Regisseure "vor allem brav das Stöckchen der Korrektheit apportieren". Das ist etwas, was man David Madry sicherlich nicht vorwerfen kann. So ist auch "Hammerfilm" eine Erfrischung im Strom der Klaviermusik-Betroffenheits-Kurzfilme und schafft es eine stimmige Atmosphäre mit ungewöhnlichen Ideen zu kombinieren. Deorientierung, Überraschung und Action wechseln sich dabei geschickt ab.

David Madry studierte an der Dekra Medienakademie in Berlin. Derzeit arbeitet er an einer Dokumentation über einen Ultramarathon.

Mittwoch, 18. April 2012

Crossover

Fabian Grodde | 5:49 min | Animation



Ein idyllischer Wald, hunderte Käfer und mysteriöse nächtliche Rituale.

Erst ist es ein einzelner Käfer, dann werden es immer mehr. Schließlich formen die Käfer eine Gruppe und nehmen an einem von den Spinnen des Waldes orchstrierten Ritual statt, dass sie in ihren Bann zu ziehen scheint.

Stefan Groddes an der Bauhaus-Universität Weimar realisierter Kurzfilm überzeugt zunächst durch seine Optik. Die Kombination von real gefilmten Miniatursets ergibt in der Kombination mit den animierten Käfern und Spinnen einen interessanten Look. Doch darüber hinaus ist durchaus mehr in diesem Film zu entdecken. Es ist kein großer Sprung, die strippenziehenden Spinnen, die die Käfer mit ihrem gleißenden Licht konvertieren, als Führer zu sehen, die ihren Untergebenen falsche Tatsachen vorgaukeln. Ob damit nun tatsächlich die christliche Religion - die Kreuzsymbolik ist allerdings recht eindeutig - sei einmal dahingestellt. Vielleicht kann aber der Käfer, der es erst einmal gar nicht auf die Anhöhe schafft, denn Spinnen entgehen - wenn auch das Netz schon bedrohlich über ihm hängt...

Stefan Groddes Film ist im übrigen in der Animations-Kategorie der Vimeo Awards nominiert, bei denen eine Jury und die Vimeo-User über Videos in insgesamt 13 Kategorien abstimmen können.

Donnerstag, 12. April 2012

Nun sehen Sie Folgendes

Erik Schmitt und Stefan Müller | 4:48 min | Spielfilm



Ein Film über einen Helden, einen Bösewicht, eine wartende Großmutter und ein schönes Mädchen. Und ein Film über das Filmemachen.

In diesem Film sieht man Folgendes:
Einen schwarzen Hintergrund und mehrere Nahaufnahmen. Einen netten jungen Mann, einen nicht ganz so netten älteren Mann mit Schnauzbart, eine verführerische Schöne und eine Großmutter, die bei Kaffee und Kuchen auf ihren Enkel wartet. Doch möglicherweise wartet sie umsonst.


Film im Film - damit befassen sich einige filmische Werke, doch selten wird die Thematik des Films und Filmemachen so charmant umgesetzt, wie in diesem Beispiel. Es geht um die kleinen Fehler beim Filmemachen, aber auch um die Konventionen, die die Rezeption von Filmen beim seherfahrenen Publikum begleiten. Ein dynamischer Filmkurs in nicht einmal fünf Minuten auf den Punkt gebracht! 2011 gewann der independent produzierte Film beim Kurzfilmpreis Gold in der Kategorie der Filme bis sieben Minuten.

Erik Schmitt studierte Kommunikationswissenschaft und begann ab 2007 als freiberuflicher Regisseur zu arbeiten. Stefan Müller studierte Visuelle Kommunikation. Mit seinem Film-Kumpel Erik gründete er 2010 "Kamerapferd", unter welchem Label die beiden weiterhin Filme machen.

Mittwoch, 21. März 2012

Kommt ein Sonnenstrahl in die Tiefkühlabteilung und weicht alles auf

Lisa Weber | 8:24 min | Spielfilm



Ein älteres Ehepaar an einem ganz normalen Tag?

Der alltägliche Kampf mit der Kaffeemaschine, das gemeinsame Fernsehschauen und das Turnen im Garten - das beschreibt "Kommt ein Sonnenstrahl..." und stellt dabei intelligent die Frage, wie sich einschneidende Erlebnisse auf unseren Alltag auswirken.

Dies ist gleich eine doppelte Premiere für den Kurzfilm Kanon: endlich einmal ein Film einer Filmemacherin und gleichzeitig der erste österreichische Beitrag. Lisa Weber schaffte mit diesem Bewerbungsfilm nicht nur den Sprung an die Filmakademie Wien sondern auch gleich zu den Kurzfilmtagen Oberhausen und gewann obendrein noch den Österreichischen Kurzfilmpreis. Für den Film castete Lisa Weber ihre Großeltern - etwas, was sich sicherlich in der liebevollen Betrachtung und auch in dem Miteinander der Beiden sichtbar wird.



Hier noch ein kurzes Statement der Regisseurin zu ihrem Film bei arte.

Montag, 12. März 2012

The Return of John Frum

Christian Schlaeffer | 7:26 min | Animation



Die Rückkehr von John Frum - einem Typen mit einem ziemlich großen Loch im Kopf - auf eine postapokalyptische Erde gestaltet sich als ziemlich abgefahrene Angelegenheit.

Ein Astronaut, der titelgebende John Frum, prallt in seiner Kapsel auf die Erde und wird prompt als Messias empfangen. Die Erkundung des Planeten lässt ihn und seinen nackten Begleiter mit der Maske auf die sonderlichen Bewohner der postapokalyptischen Umgebung treffen.

Eine Inhaltsangabe für diese Kurzfilm zu schreiben, stellt einen doch vor das ein oder andere Problem. Nicht umsonst hat die Rubrik mit Inhaltsinformation auf der Seite des Filmemachers Christian Schlaeffer - der "John Frum" als Abschlussprojekt an der Hochschule Augsburg realisierte - den Namen "WTF?". Danach basiert die Geschichte auf dem Cargo Kult der von den melanesischen Inseln kommt, der laut Christian "lächerlichsten und sinnlosesten aller Religionen."

Auch wenn der Film sich durchaus fragmentarisch anfühlt und den Zuschauer sicher mit mehr als einer Frage zurücklässt so überzeugt doch vieles an ihm. Vor allem das liebevolle und fantasiereiche Design ist dabei sehr sehenswert. Dabei erinnern Stil und Stimmung stark an die Filme des Studios 4°C, die sich für Filme wie Mind Game verantwortlich zeigen. Insbesondere die Kameraeffekte (künstliche Flares, Bewegungen der Handkamera oder Verschmutzungen der Linse) und die rasanten Stimmungswechsel erinnern dabei an das japanische Studio. Insgesamt lässt sich hoffen, das die Geschichte um John Frum - oder einen ähnlich abgefahrenen Helden - einmal mehr Platz bekommt!

Christian Schlaeffer hat den Film lobenswerterweise unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht und er ist auch als Torrent herunterladbar.

Samstag, 19. November 2011

Jakob

Benjamin Moritz Gronau | 9:58 | Spielfilm


In präsizen Bildern geschilderter klassicher fiktionaler Kurzfilm, der einen zunehmenden Sog entwickelt.

In Alltagsszenen schildert "Jakob" die Beziehung zwischen Vater und Sohn die durch den unterschiedlichen Umgang der beiden mit einem großen Verlust auf die Probe gestellt wird.

Der leere Pool steht am Anfang des Films. Der Sohn Jakob will ihn auffüllen, doch sein Vater weißt ihn an es sei dafür zu Spät. Über kleine Gesten und großartige Bilder entwickelt Benjamin Moritz Gronau in seinem Kurzfilm die Beziehung zwischen Vater und Sohn. Ohne es dem Zuschauer auf die Augen zu drücken entwickelt er zwei Figuren die es in ihrem unterschiedlichen Umgang mit dem Verlust schwer haben, wieder zueinander zu finden.

Der Film entstand im Rahmen des Atelier Ludwigsburg Paris, einer Zusammenarbeit der Filmakademie und der Pariser Filmschule La femis. Dort wurden 2010 zum Thema "Zu Spät" neun Kurzfilme realisiert.

Mittwoch, 26. Oktober 2011

Loom

Jan Bitzer, Ilija Brunck, Csaba Letay | 5:20 min | Animation



"Loom" ist ein beeindruckend detailgetreu animierter CGI-Film. Eine einfache Idee, die aber visuell und soundmäßig so atmosphärisch und dicht umgesetzt ist, dass sie (auch) den Zuschauer einfängt.

Ein gücklicher Fang, ein Überlebenskampf, das Gesetz der Natur - in "Loom" findet sich im Kleinen das Große wieder

1 Jahr arbeiteten Jan Bitzer, Ilija Brunck, Csaba Letay, die an der Filmakademie Baden-Württemberg studieren an der Realisierung des Animationsfilms. Dabei gelang es ihnen Bilder zu kreieren, die gleichzeitig Ekel wecken und wunderschön sind.
Unter dem Namen Polynoid produzieren die Macher seit 2007 Filme. "Loom" feierte zahlreiche Festivalerfolge, unter anderem beim Sehsüchte Festival in Potsdam, auf dem Monterrey International Film Festival und auf dem Eksjö Animation Festival.



Zuletzt haben die fünf Filmemacher von Polynoid mit ihrem Beitrag "Rebird" an dem Kooperationsprojekt "Resonance" mitgewirkt - auf der Suche nach dem Zusammenhang von Sound und Geometrie.